Alkohol macht mehr kaputt, als du denkst

Alkohol macht mehr kaputt, als du denkst

Seit zehn Jahren wird das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe bei der AWO-Gießen von der Suchtselbsthilfegruppe praktiziert

„Prosit“ - „Auf dein Wohl“ - „Ein Gläschen in Ehren …“ - „Auf einem Bein kann man nicht stehen“: Alkohol hat in unserer Kultur einen festen Platz und gehört oft „automatisch“ dazu. Feste ohne Alkohol scheinen für manche nicht vorstellbar. Gesellschaftliche Rituale sind mit dem Konsum von Alkohol verknüpft: Geburtstage, Hochzeiten oder sportliche Siege werden mit Alkohol gefeiert. Und obwohl die Erkenntnis, dass es keine unbedenkliche Dosis gibt, belegt ist, hält sich dieses gesellschaftliche Bild. Menschen, deren Alkoholkonsum über das sozial übliche Maß hinausgeht, die abhängig und krank daran werden, in ihrer Lebensplanung scheitern, bekommen nicht selten Schuld und eigenes Versagen vorgeworfen. Wer aus dem Teufelskreis von Alkoholmissbrauch und einer sich allmählichen entwickelnden Alkoholabhängigkeit wieder herausfinden will, benötigt Hilfe.

Der Hilfeverbund Wohnen und Arbeit (HWA) der Arbeiterwohlfahrt in Gießen, ein umfas-sendes Hilfesystem zur sozialen Wiedereingliederung wohnungsloser Männer mit besonderen sozialen Schwierigkeiten, hat als Ziel die Umsetzung der Idee der AWO von Selbsthilfe und Solidarität, wie sie sich im Bedürfnis der Betroffenen nach Selbständigkeit und Eigenverantwortung spiegelt. Dieses Eigen¬engagement stellt ein wichtiges Element dar beim Wiederaufbau einer stabilen und dauerhaften neuen Lebensgrundlage.

Die Suchtselbsthilfegruppe im HWA ist Ausdruck dieses Selbsthilfegedankens. Sie feiert dieses Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Der Ehrenamtler in der Suchtkrankenhilfe Hartmut Fröhlich als Motor der Initiative hat in Günter Born einen beständigen Mitstreiter gefunden. Beide gewährleisten für die Betreuten des HWA, stationär wie ambulant ebenso wie für Ehemalige, ein zuverlässiges Selbsthilfeangebot in allen Fragen der Suchtkrankenhilfe und Rückfallbearbeitung und ein regelmäßiges wöchentliches Gruppenangebot.

Hartmut Fröhlich hat Erfahrung in der Betreuung sozialer Projekte, unter anderem im von ihm initialisierten Jugendprojekt Powergarage Odenhausen e.V. Er und Günter Born sind für Interessierte im HWA regelmäßige Ansprechpartner und Vertrauenspersonen in Gefährdungssituationen und bei Alarm-Signalen. Sie bieten Begleitung, Unterstützung und Besuche für alle jene, die sich neu oder erneut auf den Weg in die Suchtentwöhnung begeben wollen. Das Angebot kann von Bewohnern aller Altersgruppen und mit unterschiedlichen Suchtmittelerfahrungen in Anspruch genommen werden. Zudem wird die Gruppe seit Jahren immer wieder regelmäßig von Ehemaligen aufgesucht, die schon lange den stationären Hilferahmen verlassen haben und mittlerweile ein selbständiges Leben führen.

Wir danken den Aktiven, Hartmut Fröhlich und Günter Born. Aufgrund der Covid 19-Pandemie können wir diesen Anlass momentan nicht in der von uns gewünschten Form würdigen. Wir werden dies bei nächster Gelegenheit nachholen.

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